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Bildung – Ethik – Religion: Desiderate der Akademiearbeit?
von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Karl Ernst Nipkow
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Aller Anfang ist schwer - Orientierung und Beratung für den Einstieg in den Zivilen Friedensdienst

10 Jahre professionelle Friedensarbeit

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) blickt inzwischen auf 10 Jahre Erfahrung zurück. Das Jubiläum wurde Ende 2009 mit einem Festakt in Berlin begangen. In dieser Zeit hat der Friedensfachdienst in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine dynamische Entwicklung erlebt. Die Zahl der Fachkräfte hat sich auf rund 200 erhöht, und die inhaltliche Entwicklung und Professionalisierung haben wesentliche Veränderungen im Vergleich zur Anfangsphase mit sich gebracht.

ZFD-Projekte sind so komplex wie die Zusammenhänge, in denen sie operieren. Längst ist das Wirkungsfeld der Fachkräfte nicht mehr nur die „Graswurzelebene“, auf der man sie ursprünglich vor allem sah. Die Projekte sollen eine nachhaltige und nachweisbare Wirkung über ihr unmittelbares Umfeld hinaus zeigen. Die Ansprüche an die Kompetenzen der KonfliktberaterInnen sind dementsprechend hoch.

Daher ist es für die Trägerorganisationen nicht immer leicht, die freien Projektstellen auch zeitnah mit ausreichend qualifizierten BewerberInnen zu besetzen. Die Akademie für Konflikttransformation veröffentlichte zu dieser Problematik im vergangenen Jahr eine umfassende Studie mit zahlreichen Empfehlungen an die ZFD-Träger und an die Akademie selbst.

Nachwuchskräfte und Quereinsteiger/-innen brauchen Orientierung
Ein Bereich, in dem die Akademie einen hohen Handlungsbedarf sieht und auch einen eigenen Beitrag leistet, ist die qualifizierte Information und Beratung von Interessierten. Häufig sind dies jüngere Leute mit noch wenig Erfahrung – aber auch berufserfahrene Menschen, die sich noch einmal ganz neu orientieren möchten. Die hohen Anforderungen, das komplexe Arbeitsfeld und die Vielfalt der Organisationen und Konzepte können dabei verwirrend oder gar abschreckend wirken. Das hat auch das Konsortium ZFD – der Zusammenschluss der Trägerorganisationen – erkannt. Seit letztem Jahr versucht es daher, in einer gemeinsamen Öffentlichkeitskampagne den ZFD in allgemein verständlicher Form bekannter zu machen. Das komplexe Thema ZFD und die Ansätze und Erfolge des Fachdienstes sollen auf eingängige Formeln gebracht werden.

Die Akademie möchte ergänzend dazu mit ihren Beratungsangeboten auf die drängenden Fragen von Menschen antworten, die sich für eine Arbeit im ZFD interessieren, aber nicht wissen, wie der Einstieg gelingen kann: Bin ich ausreichend qualifiziert, oder muss ich mich weiter fortbilden? Passt diese Arbeit zu meiner Persönlichkeit, oder ist es doch nicht das Richtige für mich? Woher bekomme ich die geforderten Erfahrungen in einschlägigen Bereichen der internationalen Zusammenarbeit? Welches Fachgebiet und welche Organisation passen am besten zu mir? Welche Schritte sollte ich unternehmen, um meine Einstiegschancen zu erhöhen? Wie sieht eine gelungene Bewerbung aus?

Ansätze der Akademie
Seit fast zwei Jahren bietet die Akademie sehr erfolgreich ein Seminar mit dem Titel „Friedensarbeit als Beruf“ an. In der zweitägigen Veranstaltung werden Orientierung und Information zum Berufsfeld Friedensarbeit mit Gruppencoaching-Methoden kombiniert, damit die Teilnehmenden ihre Situation klären und Handlungsperspektiven entwickeln können. Die Veranstaltung ist regelmäßig ausgebucht, was das große Interesse und den Beratungsbedarf dokumentiert.

Dabei sind die Teilnehmenden sehr unterschiedlich, wie Svenja Schmelcher betont, pädagogische Referentin in der Akademie und Trainerin im Seminar „Friedensarbeit als Beruf“. „Von Studierenden bis hin zu sehr berufserfahrenen Menschen, die ihre Erfahrungen in einem neuen Kontext einbringen wollen, ist alles dabei. Gemeinsam ist allen der Wunsch, ihre professionellen Fähigkeiten und Erfahrungen in einer sinnvollen Tätigkeit einzubringen. Das zeigt sich deutlich an dem starken Engagement, der Neugier und Diskussionsfreude der Teilnehmenden“, berichtet sie.

Das nächste Seminar mit freien Pätzen findet vom 10. - 11. April statt.
weitere Informationen und Anmeldung hier

Ein weiteres Produkt der Beratungsarbeit der Akademie ist die Handreichung „Erste Praxiserfahrungen in der internationalen Friedensarbeit“. Die Broschüre beschäftigt sich mit der Frage, die für ZFD-Interessierte oft eine besondere Schwierigkeit darstellt: Wie gewinnt man die geforderten einschlägigen Praxiserfahrungen und Soft Skills? Verschiedene Optionen wie Freiwilligendienste und Praktika sowie die verschiedenen Ansätze der Organisationen zur Nachwuchsförderung werden in dem Heft vorgestellt, die Bedeutung informeller Qualifikationen diskutiert und eine Reihe einschlägiger Organisationen vorgestellt.

Das Interesse an diesen Angeboten zeigt den hohen Bedarf an qualifizierter Information, Orientierung und Beratung. Auch dem ZFD und seinen Trägerorganisationen muss daran gelegen sein, aktiv auf Interessierte zuzugehen und sie bei der Klärung der Frage zu unterstützen, ob und wie sie sich für einen ZFD-Einsatz qualifizieren können. Denn der weitere Ausbau des ZFD zu einem gesamtpolitsch relevanten Instrument der internationalen Konfliktbearbeitung hängt nicht zuletzt davon ab, dass er weiterhin auf hoch qualifizierte und engagierte Fachkräfte aufbauen kann.