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„Akademie“ als programmatische Aufforderung

"Ausbildung, praktische Friedensarbeit und Forschung verknüpfen!" - Dr. Andreas Heinemann-Grüder trat am 1. April die Leitung der Akademie für Konflikttransformation an. Davor war er als Senior Researcher am Bonn International Center for Conversion (BICC) und als Privatdozent für Politikwissenschaft an der Universität Bonn tätig. Im Interview spricht er über die Zukunftsperspektiven der Akademie.

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Du bist von deinem Werdegang her Wissenschaftler – die Akademie hat bislang aber kein ausgeprägtes Forschungsprofil. Was hat dich an der Aufgabe der Akademieleitung gereizt?

Andreas Heinemann-Grüder: Ich sehe den Titel „Akademie“ als programmatische Aufforderung – die Verknüpfung von Ausbildung, praktischer Friedensarbeit und Forschung, um kontinuierlich voneinander zu lernen. Ich denke, dass ich die Akademie durch meine Erfahrung in Friedensforschung, akademischer Lehre, Politikberatung, Medienarbeit und Akquise, als ehemaliger Gymnasiallehrer sowie durch meine nationalen und internationalen Netzwerke erheblich bereichern kann.

Als Mitherausgeber des Friedensgutachtens plädiere ich seit Jahren für das Primat ziviler Konfliktbearbeitung. Das forumZFD und die Akademie eröffnen mir die Welt der praktischen Friedensarbeit. Die Erfahrungen und Erkenntnisse von mehr als 500 Friedensfachkräften sind unschätzbar für die Konflikttransformation, sie bereichern mein Wissen. Sie müssen aber auch kontinuierlich ausgewertet und für die Weiterentwicklung der Trainings und Transformationskonzepte genutzt werden. Ich arbeite seit über 25 Jahren als Wissenschaftler – die Verbindung zu „Akademia“ werde ich halten.

Wie soll sich die Akademie unter deiner Leitung weiterentwickeln?

AHG: Die Stichworte heißen Sichtbarkeit, Professionalisierung, Internationalisierung, Erweiterung, Begleitforschung und Akquise. Die Akademie sollte über den engeren ZFD-Bereich hinaus als Kompetenzzentrum für praxisorientierte Konflikttransformation, Konfliktbearbeitung und konfliktsensible Entwicklungszusammenarbeit ausgebaut werden. Die Akademie kann ihren Beitrag dazu leisten, den ZFD europaweit als Modell staatlich-zivilgesellschaftlicher Kooperation in der zivilen Konfliktbearbeitung zu etablieren. Ziviler Friedensdienst muss als besonderer Beitrag der deutschen Entwicklungs- und Außenpolitk national und international sichtbarer werden.

Die Akademie sollte einen Beitrag für die Vorbereitung von Personal für internationale Friedenseinsätze (UNO, OSZE, EU, AU) leisten, darunter im Rahmen von UNITAR, UN-Volunteers und UNDPKO. Die Akademie muss ihre Angebote erweitern, beispielsweise für Wirtschaftsvertreter, Psychologen und Journalisten, und die existierenden Trainings für internationale Missionen bereichern, d.h. neben der Zivilgesellschaft auch die interkulturellen Kapazitäten staatlicher Akteure stärken. Mittel- und langfristig sollten die Trainingsangebote im Bereich von politischen Institutionen und Prozessen, die zur Konfliktregelung beitragen (Stichworte: Minderheitenschutz, Autonomie, Asymmetrie, Föderalismus, transethnische Parteiensysteme, Verhandlungssysteme, politische Mediation, Konkordanzdemokratie und Friedensmedien) ergänzt werden. Für die Akademieangebote und den ZFD können ferner Fachkräfte und Trainer aus dem Ausland gewonnen werden. Die Akademie sollte zudem am Aufbau der Zivilen Konfliktbearbeitung in Deutschland mitwirken.

Wo siehst du die Rolle der Akademie im Gesamtkontext von Friedensarbeit, Friedensforschung und Friedenspolitik?

AHG: Die Akademie ist eine Ausbildungseinrichtung, ein kommunikatives Forum, eine organisatorische Schnittstelle und ein Clearing-House. Die Akademie sollte über die Trainings hinaus den Dialog mit der praktischen Friedensarbeit über die ethischen Grundlagen und Wirkungen des zivilen Friedensdienstes entscheidend mitbestimmen. Intensiviert werden muss die Kooperation mit nationalen und hervorragenden internationalen Trainingseinrichtungen. Die Akademie kann durch systematische Auswertung von langjährigen Praxiserfahrungen in Einsatzgebieten einen Beitrag zur Konfliktprävention und frühzeitigem Handeln leisten.

Friedensforschung und Friedenspraxis stehen nicht in regem Austausch, von Ausnahmen abgesehen. Wie könnten beide besser integriert werden, um voneinander zu lernen?

AHG: Die Akademie sollte die Zusammenarbeit mit der deutschen und internationalen Friedensforschung durch gemeinsame Projekte, Lehrangebote, Veranstaltungen und Publikationen systematisch aufbauen. Die Akademie kann von den friedenswissenschaftlichen Masterstudiengängen in Deutschland fachlich und personell profitieren, umgekehrt kann die Akademie auch universitäre Lehrangebote offerieren. Eine stärkere Verbindung von Forschung, Lehre und friedenspraktischer Arbeit ist für alle Beteiligten zentral – für die Forschung, um wieder politikrelevant zu werden, für die Praxis, um kontinuierlich über die Kohärenz und Wirksamkeit der eigenen Arbeit zu reflektieren.

Wie sieht deine Vision für die Akademie aus, wo soll die Einrichtung in fünf oder zehn Jahren stehen?

AHG: Die Akademie sollte in fünf Jahren eine weithin sichtbare, führende, anerkannte, von nationalen und internationalen Durchführungsorganisationen präferierte und international angebotsfähige Ausbildungseinrichtung sein. Sie sollte durch Veranstaltungen, Medienarbeit, Publikationen und Begleitforschung die Diskurse um Konflikttransformation durch staatliche und nicht-staatliche Akteure maßgeblich mitbestimmen. Schließlich sollte die Akademie als zentraler Fokus für hochrangige nationale und internationale Politikberatung und Medienberichterstattung zur Konflikttransformation anerkannt sein.